Deutschland war zum Ende des letzten Jahrhunderts geprägt vom Wandel in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft, auch Inhalte und Formen der Arbeit änderten sich. Die Gewerkschaften waren gefordert: Die Interessenvertretung im privaten und öffentlichen Dienstleistungsbereich und der dienstleistungsnahen Industrie musste weiterentwickelt werden. Allen Gewerkschaften, die in diesen Bereichen Mitglieder organisierten, war das klar. Hierzu zählten die dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) angeschlossenen Deutsche Postgewerkschaft (DPG), Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV), Industriegewerkschaft Medien (IG Medien) und Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV). Aber auch die außerhalb des DGB agierende Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG) war zu dieser Erkenntnis gelangt. <br><br>Die Idee war im Raum, nur wie sollte sie umgesetzt werden? Eine »Gemeinsame Erklärung«, die die Vorsitzenden der genannten Gewerkschaften am 4. Oktober 1997 in Hamburg unterzeichneten, legte die Grundlage. Es folgte ein jahrelanger breit angelegter Diskussionsprozess, in dem teilweise hart gerungen wurde um die künftige Organisationsstruktur und um programmatische wie tarifpolitische Positionen. Gesteuert wurde dieser Prozess von einem Lenkungsausschuss, dem die Vorsitzenden und einzelne Vorstandsmitglieder der beteiligten Gewerkschaften angehörten. <br>Als erstes erarbeitete der Lenkungsausschuss einen Entwurf einer »Politischen Plattform« mit dem Untertitel: »Zur Neustrukturierung der gewerkschaftlichen Interessenvertretung im Dienstleistungsbereich, in der dienstleistungsnahen Industrie, im Medien-, Kultur- und Bildungsbereich«. Im Juni 1998 folgte die »Ideenskizze«, mit der er seine Überlegungen zur Struktur der neuen Gewerkschaft zur Diskussion stellte. In dieser Phase entschied die GEW, sich nicht länger an den Gesprächen über eine neue Dienstleistungsgewerkschaft zu beteiligen. <br><br>DAG, DPG, HBV, IG Medien und ÖTV ließen sich davon nicht irritieren. Sie arbeiteten weiter an dem Projekt, diskutierten über die »Zukunft der Arbeitsgesellschaft – Zukunft der Dienstleistungen – Risiken und Chancen für die neue Gewerkschaft« und legten schließlich im Februar 1999 den Entwurf »Eckpunkte des Zielmodells der neuen Gewerkschaft« zur Diskussion vor. Danach sollte der organisatorische Aufbau der neuen Gewerkschaft einer Matrixstruktur entsprechen: regionale Gliederung in drei Ebenen und berufsbezogene Einteilung in 13 Fachbereiche. Damit bekam die neue Gewerkschaft erste Konturen, im März 1999 dann auch den Namen: »ver.di – Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft«. In einem Wettbewerb waren mehr als 8.000 Namens-Vorschläge eingegangen, vier Gewerkschaftsmitglieder hatten unabhängig voneinander ver.di vorgeschlagen.